Geschichte

Historische Vergangenheit der Lenzerheide Motor Classics

Mit einem der ersten Schweizer Bergrennen erlebte Lenzerheide auf der Strecke Tiefencastel-Lenz-Lenzerheide im August 1951 einen absolut beeindruckenden Anlass. Schon das grosse Plakat, auf welchem im Vordergrund der an allen Rennen unschlagbare «Alfetta» und im Hintergrund das Lenzerhorn abgebildet waren, beeindruckte mich als jungen Burschen gewaltig.

Gegen 80 Fahrzeuge von Alfa Romeo, Lancia, Cisitalia, BMW Veritas, Porsche 356, MG, Jaguar 120 und der heute unbekannte Jowett-Jupiter, betasteten wir ehrfürchtig anlässlich der Wagenabnahme beim Hotel Kurhaus.

Der absolute Höhepunkt war der grosse Held Willy Peter Dätwyler und sein Alfa 412. Dieses von 1939 stammende Auto war nicht nur in seiner Form schon der Rennsportwagen an sich, bestückt mit einem mit vier oben liegenden Nockenwellen V12 Triebwerk (eine Konstruktion von Bruno Trevisan). Dieses unschlagbare Gefährt, das man nicht nur sah und hörte, sondern auch fast als Droge sein verbranntes Methanol-Gemisch aus dem Auspuff in sich aufnahm, wurde von Willy Peter Dätwyler gesteuert.

1957 fand in Zusammenarbeit mit dem ACS ein weiteres internationales Bergrennen (zählte damals als Europameisterschaft) statt. Als erwachsener Bursche durfte ich dieses Rennen als Helfer meines Vaters, Chef des Sanitätsdienstes, auf der gleichen Strecke noch näher erleben. Wir bewunderten natürlich auch unseren Lokalhelden Willy Gruber, der mit Bravour seinen kleinen Ford über die Strecke mehr balancierte als schnell fuhr. Viele der Autos waren dabei, die wir inzwischen wieder an den Lenzerheide Motor Classics bewundern können: Porsche 356 Carrera, MGA, Alfa Romeo Giulietta Veloce, die kleinen, schnellen Fiat Abarth Zagato, Lancia Aurelia B20, AC Bristol (Basis der Cobra), Mercedes Flügeltürer, Triumph TR3, Aston Martin DB2, und viele mehr.

Der spannende grosse Kampf um die europäische Bergmeisterschaft zwischen dem Porsche (ein RS Bergspyder, der jedesmal beim Schalten eine riesige Stichflamme aus dem mittelrohrigen Auspuff stiess) vom berühmten Rennleiter Huschke von Hanstein, dem Borgward RS (der schon damals mythenhafte Ferrari mit Ludovico Scarfiotti) von Hans Herrmann und dem Maserati 200/S von Willy Peter Dätwyler, der die Europameisterschaft schliesslich auch gewann, war ein unvergessliches Erlebnis.

Viel Freude und Spass an den Lenzerheide Motor Classics 2015.
Marc-Andrea Durband

> Europameisterschaft Bergrennen Tiefencastel – Lenz –Lenzerheide 1957 (pdf)
 

Copyright Foto unten: Fotograf Max Pichler Wilerzell